Meldungen aus dem Landesverband Bremen
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Gustav Abel Hellwig

Ein Beispiel für Versöhnung über Grenzen und Generationen hinweg

Kriegsgräberstätte Hooglede (Belgien)

Kriegsgräberstätte Hooglede (Belgien) Foto: S. Hautekeete

Immer wieder einmal erreichen uns Berichte über Erlebnisse, die das Motto des Volksbundes „Versöhnung über den Gräbern“ ganz persönlich mit Leben füllen. So schrieb uns zuletzt Volksbund-Unterstützer Jürgen Hellwig über eine Begegnung, die sich aus der Suche nach dem Grab seines Urgroßonkels Gustav Abel Hellwig ergeben hat.

Mein Urgroßonkel

Gustav Abel Hellwig, geboren am 24.06.1891 in Neuhütten, Kreis Neustettin in Pommern, war der älteste Sohn unter insgesamt 10 Kindern. Vier der Söhne von Gottlieb und Bertha Hellwig, geb. Krause zogen in den ersten Weltkrieg. Sein jüngerer Bruder Paul, Jahrgang 1892, fiel als erster, weitere Daten sind nicht bekannt. Der nächste Sohn, Hermann Heinrich Rudolf, Jahrgang 1894, wird seit dem 22.August 1916 im Raum Kowel vermisst. Ein Grab ist beim Volksbund leider bisher nicht bekannt. Der vierte Sohn, Emil Wilhelm Hellwig, mein Urgroßvater, wurde 1916 eingezogen und ging mit der Pascha II-Formation in das Osmanische Reich. 

Gefreiter Gustav Hellwig gehörte der 2./MG-Kompanie des Infanterieregiments 54 (Pommersches Nr. 7) an und fiel am 14.10. in der Abwehrschlacht in Flandern im Raum Roselaer/Kortrijk. In der familiären Überlieferung waren keine Grabstellen der gefallenen Söhne von Gottlieb und Bertha bekannt. 

Erst im Jahre 2017 konnte ich schließlich über die Verlustlisten des preußischen Heeres und weitere Recherchen die Einheiten, das Todesdatum und dann über den Volksbund das richtige Grab von Gustav und zumindest einige nähere Daten zu Hermann ausfindig machen. Die Freude über den Fund des Grabes war groß in der Familie, aber ein Besuch ergab sich zunächst noch nicht. 

Erst 2024 konnte ich die Chance nutzen, zusammen mit meiner Schwester und meinen damals 10-jährigen Sohn im Rahmen eines Kurzurlaubs an der Kanalküste das Grab besuchen. Zur Vorbereitung insbesondere meines Sohnes besuchten wir zunächst das „Flanders-Fields-Museum“ in Ypern, das sich auch für seine Altersgruppe hervorragend eignet, da es Kinder in behutsamer Weise an die Geschehnisse von 1914-1918 heranführt.

Die Kriegsgräberstätte in Hooglede fanden wir gepflegt vor und haben das Grab unseres Verwandten nunmehr 106 Jahren nach seinem Tod als erste Familienmitglieder überhaupt besuchen können. 

Eine berührende Geste der Versöhnung

Im Oktober 2025 lernte ich im Rahmen einer Veranstaltung des Reservistenverbands an der Logistik-Schule der Bundeswehr in Garlstedt den Lieutenant-Colonel Sven Hautekeete von der belgischen Armee kennen. Es stellte sich im Rahmen unseres Gespräches heraus, dass er in Hooglede wohnt. Natürlich habe ich ihm die Geschichte des Grabes auf dem Soldatenfriedhof erzählt und er bot mir an, am „Armistice Day“, dem belgischen Feiertag zum Gedenken an den Waffenstillstand vom 11.11.1918, das Grab zu besuchen. 

Die Bilder, die wir von ihm dann am 11.11. erhielten, haben uns tief bewegt. Nicht nur, dass die Familie Hautekeete gemeinsam den Grabstein gereinigt hat und einen kleinen Kranz niedergelegt hat, sondern auch die Tatsache, dass über 100 Jahre später die Kameradschaft zwischen den Soldaten der seinerzeit verfeindeten Länder so groß ist, dass dieser Dienst als selbstverständlich angesehen wird und gerne gemacht wird. Sven Hautekeete schreibt selbst dazu: 

„[…] Wir sind der Überzeugung, dass hier eine Generation junger Männer ruht, die eine ganz andere Zukunft hätte haben können. Aus Respekt vor ihnen tun wir dies mit großer Hingabe.

Viele Dorfbewohner übernehmen die Patenschaft für das Grab eines gefallenen Soldaten. Mehrmals im Jahr besuchen wir die Friedhöfe, um nach dem Rechten zu sehen, und reinigen bei Bedarf die Grabsteine selbst. 

Heute, am Dienstag, dem 11. November 2025, haben meine Frau und ich den Grabstein Ihres Familienangehörigen Gustav Abel Hellwig gereinigt. Der Friedhof war sehr gepflegt. Wir legten einen schönen Blumenkranz nieder und hielten eine Minute des Schweigens ab. Es war still und es war ein besonderer Moment, da andere Dorfbewohner ebenfalls an einem Grab standen und Blumen niederlegten.“

Auch der Volksbund dankt Lieutenant-Colonel Sven Hautekeete sehr herzlich für seinen Einsatz und Jürgen Hellwig für die mitreißende Geschichte.

Wenn Sie die Arbeit des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. im Zeichen von „Versöhnung über den Gräbern“ und „Gemeinsam für den Frieden“ unterstützen möchten, würden wir uns sehr über eine Spende freuen. Dies ist über folgenden Link Online spenden – Gemeinsam für den Frieden | Volksbund oder die folgende Bankverbindung möglich.

Spendenkonto des Landesverbandes:
Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge – Landesverband Bremen
Sparkasse Bremen
IBAN: DE57 2905 0101 0001 0261 45
BIC: SBREDE22XXX